Remember the 9th of November

Es ist ein deutscher Schicksalstag. Am 9. November 1918 enstand die erste deutsche Demokratie, wenn auch unter schlechten Vorzeichen. Sie konnte der Weltwirtschaftskrise nicht standhalten. Denn diese Krise beflügelte eine alte Denkweise zu einem politischen und moralischen Monstrum.
Die die durch die Weimarer Verfassung garantierten Bürgerrechte der Gleichheit vor dem Gesetz und die Unverletzlichkeit der Wohnung waren spätestens am 9.November 1938 für jüdische Mitbürger praktisch nicht mehr existent. Die Reichsprogromnacht kostete mindestens 400 Menschen das Leben, es wurden Synagogen, Geschäfte und Wohnungen niedergebrannt, wobei Polizei und Feuerwehr dazu angehalten waren deutsches (arisches) Eigentum zu schützen.

Bei all den Gedenksendungen die das dt. Fernsehen heute und in Zukunft austrahlen mag die sich besonders mit dem 9. November 1989 befassen, an die „Helden“ dieser Zeit und den Ruf nach der Einheit, sollten wir uns auch an den Tag vor gut 70 Jahren erinnern. Ein Tag an dem sich die Deutschen in einer Sache sehr einig waren: Dass das Judentum keinen Platz im Reich haben soll und man diesen „Feind aller Völker“ entfernen muss.
Die Geschichte hat gezeigt wozu der deutsche Antisemitismus im Stande war, wenn am Ende auch keiner mitgemacht haben will.
Die Nazis waren laut O-Ton vieler Dokumentationen und „patriotischer“ Redner, gedankenkontrollierenden Außerirdische. Weder haben sie ihren Ursprung aus der Mitte des deutschen Volkes, noch war man fähig ihrer plumpen Propaganda zu widerstehen.

Die NSDAP wurde mit der Hilfe von konservativen und wirtschaftsliberalen Organisationen zur einflussreichsten Partei in der Weimarer Republik und feierte 1933 einen erdrutschartigen Wahlsieg. Diese Fakten sind historisch belegt, aber nicht wirklich interessant für den modernen „weltoffenen“ Fernsehzuschauer.
Lieber flaniert er über die Ursachen bzw. Urheber der Finanzkrise. Für die einen sind die „gierigen Manager“ Schuld, andere finden aber auch ein sehr hohen Einfluss von jüdischen Bankern bemerkenswert.

http://www.hagalil.com/archiv/2009/02/11/adl-umfrage/

Ob in einem System globaler Konkurrenz nicht hin und wieder auch zum Kollaps seiner Wettbewerbteilnehmer führen kann, sei hier nur als Gedankenansatz aufgeführt.

Es scheint für Otto Normalverbraucher schwierig zu sein, seine Wut nicht auf Personengruppen zu lenken, die scheinbar von der Krise profitieren. Lieber spricht man von Parasiten und Heuschrecken und faulen Südländern, die im Gegensatz zum arbeitsfreudigen, disziplinierten, moralisch überlegenen deutschen Arbeiter stehen.

Wenn wir auch nicht 1938 haben, gibt es heute noch immer parallele Denkstrukturen, die weitab des neofaschistischen Aktionismus der Volksunion, an den Stammtischen der Mitte grassieren.

„Vielleicht ist der junge jüdische Börsenspekulant die am meisten abstoßende Erfindung des Menschengeschlechts.“ – Nietzsche